Logo der Mercatorhalle
Aktuelles im einzelnen

11.06.2010 - Das Orchester war besser als der Pianist

VON INGO HODDICK Duisburg (RP) Es heißt zwar Klavier-Festival Ruhr, aber wenn man ein Orchester einlädt, kann es passieren, dass es besser als der prominente Pianist ist. So jetzt beim jüngsten Konzert in der Philharmonie Mercatorhalle mit Ivo Pogorelich und der Polnischen Kammerphilharmonie, die in dem Ostseebad Sopot (alter deutscher Name: Zoppot) bei Danzig angesiedelt ist.

Bleischwer breitgetreten

Denn das diesmal in größerer Besetzung angetretene Orchester zeigte den Zauber der slawischen Romantik, mit blühenden Bläsern und vor allem Streichern, mit gerundet warmem Klang und sprechender Transparenz. Unter der Leitung seines Gründers Wojciech Rajski lieferte es eine erfreulich gute Aufführung der Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88 von Antonín Dvorák.

Zuvor hatte Ivo Pogorelich das beliebte und bekannte Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-Moll op. 23 von Peter Iljitsch Tschaikowsky bleischwer auf fast doppelte Spieldauer breitgetreten. Sicher, eine nach wie vor makellose Spieltechnik und auch eine gewisse Ausdruckskraft kann man dem 1958 in Belgrad geborenen Musiker nicht absprechen. Doch da wurden immer wieder einzelne Töne ohne erkennbaren Grund herausgeknallt, Melodien torpediert und Phrasierungen abgewürgt.

Die Solopassage im Kopfsatz ab Takt 357, vom Komponisten mit "a tempo" bezeichnet, wurde dermaßen in Zeitlupe zerstückelt, dass ihr jeglicher Sinn abhanden kam. Für einen eigentlich zur Weltklasse gezählten Pianisten war das ein interpretatorischer GAU. Bewundernswert, wie die Polnische Kammerphilharmonie damit zurecht kam. Der Dirigent hatte sogar sein Notenpult nach links verschoben, um ein besseres Zusammenspiel mit dem Solisten zu erreichen. Es blieb aber schwierig. Die willkommene Zugabe am Ende kam vom Orchester, nämlich die witzige Polka aus der "Kleinen Suite" von Witold Lutoslawski.

Sonntag gastiert Lang Lang. Ebenfalls in der Mercatorhalle, 20 Uhr . Es gibt noch Karten.


Zum Seitenanfang