22.06.2010 - Fünf Freunde im Kammerkonzert
Duisburg (RP) Der französische Bratschist Antoine Tamestit in Duisburg bereits wohlbekannt. In der Saison 2006/2007 war er hier "Artist in Residence": er machte damals Kammermusik mit dem deutschen Pianisten Markus Hadulla sowie mit Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker, deren Solist er in einem Philharmonischen Konzert war. Inzwischen ist Tamestit Professor an der Kölner Musikhochschule.
Jetzt versammelte er im jüngsten, letzten Kammerkonzert der Saison in der Philharmonie Mercatorhalle vier musikalische Freunde um sich, von denen einige mit ihm auch das Geburtsjahr 1979 teilen. Das war gewagt, denn es handelte sich nicht um ständige Musizierpartner, wohl aber um sehr bekannte Werke. Jedenfalls war es erfreulich, einmal Daishin Kashimoto (seit dieser Saison neuer erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, stolzer Nutzer der Stradivari "Jupiter", die ihm von der Nippon Music Foundation zur Verfügung gestellt wird), Latica Honda-Rosenberg (ebenfalls Violine, kurzfristig eingesprungen), Tamestit, Claudio Bohórquez (Violoncello, hier bekannt vom Eröffnungskonzert der Mercatorhalle) und Kirill Gerstein (Klavier) auf einer Bühne zu erleben.
Zunächst ließ der russisch-amerikanische Pianist die beliebteste "Englische Suite" Nr. 2 a-Moll BWV 807 von Johann Sebastian Bach durchaus angemessen fließen, ohne freilich daraus besondere Funken zu schlagen. Darauf folgte das vor 50 Jahren in der Nähe von Dresden entstandene, gleichfalls meist aufgeführte Streichquartett Nr. 8 c-Moll op. 110 von Dmitri Schostakowitsch. Beeindruckend, wie die vier Streicher hier mit differenzierten Klangfarben bestrebt waren, die Geister der tragischen Vergangenheit zu beschwören. Leider fand das seine Grenze darin, dass vier Freunde noch kein zusammengeschweißtes Streichquartett ausmachen, auch wenn sie einzeln erstklassige Musiker sind. Da fehlte es noch ein wenig daran, aus dem aufeinander Hören eine konsequente gemeinsame Aufführung zu gestalten.
Danach war das Klavierquintett Es-Dur op. 44 des vor 200 Jahren geborenen Robert Schumann eine positive Überraschung. Die Musiker übertrugen den Enthusiasmus des Komponisten auf das Publikum. Auch wenn im Scherzo einige falsche Betonungen irritierten, wurde doch gerade dieser Satz als willkommene Zugabe wiederholt.

